Gemeinde... die Freundschaft lebt

Vor fast 22 Jahren mit 63 ging ich in den sogenannten Ruhestand. Ein reich erfülltes Leben lag hinter meiner Frau und mir. Mit 35 hatte ich einem klaren inneren Ruf in den Missionsdienst nach Äthiopien folgend, meine Stellung als Schulleiter einer großen Technischen Betriebschule aufgegeben.

Nach Abschluß der Ausbildung von uns beiden in der Schweiz waren wir mit unseren drei Buben als Missionare der Deutschen Missionsgemein-schaft nach Äthiopien ausgereist. In den folgenden Jahren bis zur Pensionierung erlebten wir Gottes wunderbare Führung und Bewahrung, sei es in monatelanger Überschwemmung, Erdbeben, Autounfällen, Buschbränden oder dem Krieg zwischen Äthiopien und Somalia. In meinem Buch "Schlingpflanzen und Krokodile" im Hänssler-Verlag , habe ich vieles davon festgehalten.

Nun erwarteten wir einen ruhigen Lebensabend.
Aber es kam anders. Nach einem mehrwöchigen Einsatz mit meiner Frau in den Philippinen, Australien und Neuseeland diente ich in der Baptistengemeinde in Brackenheim, als Pastor, da sie sich keinen bezahlten Pastor leisten konnte, weil sie 6 Missionare unterstützte. Im 3. Jahr kam ein Hilferuf unserer früheren Mission. Durch die kommunistische Machtergreifung in Äthiopien und Enteignungen hatten die meisten Missionare das Land verlassen. Aber die Kommunisten hatten die soziale und aufbauende Hilfe der Missionare erkannt und gestatteten nach mehreren Jahren wieder in gewissem Rahmen deren Einsatz. Für den Wiederaufbau zerstörter Missionsstationen fehlten aber die notwendigen Missionare und so bat man meine Frau und mich um einen 3 monatigen Kurzeinsatz, denn Touristen- oder Geschäftsvisa für diesen Zeitraum konnte man fast problemlos bekommen. Wir konnten beim Wiederaufbau in 2 Stationen helfen.

Vier Jahre später waren die Kommunisten vertrieben und wieder kam ein Hilferuf der SIM, unserer ehemaligen Mission, um die neuen missionarischen Möglichkeiten zu nutzen. Diesmal wurden wir in der ehemaligen Missionsinternatsschule die jetzt in eine Internationale Schule umgewandelt wurde, eingesetzt, um die gesamte Elektroanlage zu überholen. Dabei half mir in seiner Freizeit ein Studenten neben seinem Studium zum Elektroingenieur und ich konnte ihm viele praktische Erfahrungen vermitteln. Meine Frau half im neuen Kindergarten und bei der Wiederherstellung der schulischen Gartenanlagen. Wir mußten diesen Einsatz auf 4 Monate verlängern.

1 ½ Jahre später suchten wir eine Wohnung für den Heimaturlaub eines der beiden Missionsehepaare unserer Gemeinde. Trotz Betens und Suchens fanden wir keine geeignete günstige Wohnung für sie und ihre drei Kinder. Auf einer Freizeit auf Korsika, wo ich die Bibelarbeiten zu halten hatte, machte mir Gottes Geist klar, dass wir doch noch einmal nach Äthiopien gehen könnten, wo man Hilfe brauchte, und wir unseren Missionaren unsere, für sie sehr geeignete Wohnung, für ihr Jahr Heimaturlaub zur Verfügung stellen könnten. Als ich meine Frau daraufhin am nächsten Tag am Strand ansprach, sagte sie mir, dass Gott auch sie bereits mit diesem Gedanken angesprochen hätte.
Wenige Tage nach unserer Rückkehr von der Freizeit kam ein Brief aus Äthiopien, mit der Bitte, einem jungen unerfahrenen Ehepaar beim Aufbau einer von den Kommunisten zerstörten Missionsstation zu helfen. Als ich am nächsten Morgen von der telefonischen Rücksprache mit der Mission zum Frühstückstisch kam, war Losungsheft die Losung des Tages: "Geh hin und sieh, ob's gut steht um deine Brüder" 1.Mose 37,14. Deutlicher konnte Gott kaum reden.
 
Nach 5 ½ Monate gemeinsamen Einsatzes bat man uns in das etwa 200 km südwestlicher liegende Soddu zu gehen und dort den Wiederaufbau von etwa 20 von den Kommunisten zerstörter Bibelschulen zu organisieren. Ich konnte dort in knapp 2 weiteren Jahren etwa 80 junge Leute ausbilden, die dann die zerstörten und einige weitere Bibelschulen wieder aufbauten. Am Ende dieser Zeit bat man mich um Pläne für den Bau einer großen Konferenzkirche und eines Bibelkollegs mit einer Reihe von Nebengebäude. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland konnte ich mit der kostenlosen Hilfe mehrerer gläubiger Bau-, Stahlbau- und Statikingenieure die Pläne für eine Kirche mit 4000 Sitzen, einem integrierten Bibelkolleg und den erforderlichen Nebenräumen zeichnen, und ein gläubiger äthiopischer Bauingenieur führte, zum Teil mit Freiwilligen der über 3000 Glieder zählenden Gemeinde, den Bau aus.. In 4 weiteren Einsätze von 1-3 Monaten und dem Bau eines Kranes mit 12 m Arbeitshöhe konnte ich ihm, besonders bei der 1300 m² großen Stahlkonstruktion des Daches, auch  im letzten Jahr, noch einmal helfen. Von ganzem Herzen danken meine Frau und ich Gott für alle dabei erfahrene Hilfe, Bewahrung, Führung  und Freude. Er hat uns ein erfülltes Leben geschenkt und ende vorigen Jahres kurz nach meinem 84. Geburtstag eine schöne angenehme Wohnung im Seniorenwohnheim der Deutschen Missionsgemeinschaft, in dem wir eine froh machende Gemeinschaft mit den anderen Missionaren genießen können.

Begegnungen mit Somalis

Arte Mohammed war der Somali, der mich am stärksten beeindruckte. Jahrelang
hatte er im Süden Somalias und in der äthiopischen Halbwüste des
Ogadengebietes  mit seinem Neffen während der italienischen Besetzung
einzelne Fahrzeuge der Italiener überfallen, die Insassen getötet und die
Fahrzeuge ausgeraubt. Nachdem die Engländer die Italiener vertrieben hatten,
raubte er ihre Fahrzeuge aus. Beide Regierungen hatten einen hohen Kopfpreis
ausgesetzt, aber er wurde nicht gefangen. Er wurde auch nach Abzug der
Engländer nicht verfolgt, weil er nur Feinde des Landes getötet hatte. Dann
trat Christus in sein Leben und Arte wurde nicht nur ein Helfer und
Wohltäter für die verschiedenen Stämme seiner Umgebung, sondern einer meiner
besten Helfer, um die Fußsomalis um Kallafo am Webbe Shebelli Fluß mit dem
Evangelium zu erreichen. Als ich ihn einmal fragte, wieviel Menschen er denn
getötet habe, sagte er nur traurig:   "Ich weiß es nicht, es sind zu viele".

Nach gut zwei Jahren Zusammenarbeit sagte ich eines Tages: " Arte, ich kann
es kaum verstehen, dass du früher so ein schlimmer Mensch gewesen bist, wo
ich Dich doch so ganz anders kenne. Er schaute mich verwundert an und sagte:
" Ich verstehe Dich nicht. Ihr Missionare habt mich doch gelehrt, dass
Christus unser Leben völlig umgestaltet, wenn wir es Ihm anvertrauen. Das
hat er bei mir getan. Glaubst Du denn das nicht, was Ihr uns hier lehrt?"

Ein anderer Somali war Said Schech, der etwa 20 jährige Sohn eines hohen
somalischen Richters und Schüler an unserer Missionsschule. Er machte meiner
Frau beim täglichen Bibelunterricht durch seine häufigen Gegenargumente
manches Problem. Als die Kämpfe zwischen Somalia und Äthiopien begannen floh
er nach Mogadischu und half den Missionaren bei der Bibelübersetzung. Dabei
kam er zum Glauben an Jesus Christus. Als wir zu unserem zweiten Einsatz
nach Äthiopien zurück kehrten, hörten wir, dass er jetzt der Leiter der
somalischen Christen in Mogadischu sei.

Nach Beendigung der Kämpfe kam er nach Äthiopien und studierte in einer
höheren Schule der Mennoniten. Während unseres Jahresurlaubs in der Nähe von
Addis Abeba besuchte er uns. Meine Frau fragte ihn, was ihn denn nun sicher
mache, dass sein Glaube an Christus der rechte sei. Da antwortete er: " Die
Tatsache, dass Christus allen Haß gegen die Äthiopier, die ja meinen Bruder
neben Eurer Missionsstation auf offenem Feld erschlagen haben, aus meinem
Herzen genommen hat. Er hat mir auch Seine Liebe gegeben, dass ich mich
jetzt ausbilden lasse, um den Äthiopiern und meinem Volk das Evangelium zu
bringen." Er leitete dann später eine Missionsstation der Mennoniten in
Somalia.


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